Bargeld, Voraussetzung für Freiheit und Demokratie

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Der folgende Artikel ist eine Vorabveröffentlichung aus der nächsten Ausgabe unseres LESEZEICHEN. Dieser Artikel beinhaltet eine umfangreiche Liste an Quellenverweisen, auf die wir in der PDF- und Druckausgabe aus Platzgründen verzichten, dafür jedoch von dort auf die Quellenliste am Ende dieses Artikels verweisen.

Bargeld, Voraussetzung für Freiheit und Demokratie

In einer zunehmend digitalen Welt scheint Bargeld auf den ersten Blick an Bedeutung zu verlieren. Immer häufiger hängen an Ladenkassen Schilder mit „Nur Kartenzahlung“ oder Selbstbedienungskassen nehmen Münzen und Scheine gar nicht mehr an [1]. Gerade für die junge Generation ist digitales Bezahlen mit Karte oder Smartphone selbstverständlich – und vor allem bequem. Doch diese Bequemlichkeit hat einen hohen Preis, der selten bewusst gemacht wird. Denn hinter dem Trend zur bargeldlosen Zahlung stehen grundlegende Fragen: Was bedeutet es für Freiheit, Sicherheit und demokratische Teilhabe, wenn Geld nur noch digital existiert?

Bargeld ist beliebt. Laut Deutscher Bundesbank wurden 2021 in Deutschland noch 58 % aller alltäglichen Zahlungsvorgänge bar abgewickelt, erst bei höheren Beträgen dominiert die Kartenzahlung [2]. Zwar hat die Pandemie digitale Zahlungen beschleunigt, doch „weder Digitalisierung noch Pandemie konnten das Bargeld verdrängen“, betonte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann [3]. Rund zwei Drittel der Bürger möchten ihre Bargeldnutzung auch künftig beibehalten [4]. Bargeld erfüllt also weiterhin eine reale Funktion – nicht aus Nostalgie, sondern aus guten Gründen.

Ein zentraler Unterschied wird dabei oft übersehen: Bargeld ist Eigentum. Es gehört der Person, die es besitzt.

Digitales Geld ist nur eine Forderung gegenüber einem Finanzinstitut [5]. Gerät dieses in Schieflage oder werden Konten gesperrt, kann der Zugriff auf das eigene Geld eingeschränkt oder vollständig verhindert werden. Mit digitalem Geld wird Bezahlen zur genehmigungspflichtigen Dienstleistung.

Hinzu kommt ein oft unterschätzter Kostenfaktor: Digitale Zahlungen sind teuer. Zahlungs­dienstleister erheben je nach Verfahren Gebühren von bis zu 3,4 % pro Transaktion [6]. Ein Beispiel macht die Wirkung deutlich: Ein 500-Euro-Schein ist nach jedem Bezahlvorgang noch immer 500 Euro wert. Wird derselbe Betrag bei diesen Kosten jedoch 24-mal digital bezahlt, bleiben rechnerisch nur noch rund 218 Euro übrig, mehr als 280 Euro gehen allein durch Zahlungsgebühren verloren. Das wirkt wie eine versteckte Steuer, allerdings zugunsten von Finanzinstituten statt des Gemeinwohls.

Digitale Zahlungen erzeugen zudem Daten. Jede Transaktion hinterlässt Spuren, die gespeichert, ausgewertet und zu Profilen zusammengeführt werden können [7]. Wenn Großeltern ihrem Enkel Geld schenken oder jemand einem Bedürftigen hilft, wird selbst diese private Geste registriert. Bargeldzahlungen dagegen sind anonym – ein Bereich wirtschaftlicher Freiheit, in dem niemand mitliest, bewertet oder mitverdient. Dass diese Sorge real ist, zeigt die Debatte um den digitalen Euro, bei der selbst Verbraucherverbände auf Bargeld-ähnliche Anonymität drängen [8].

Digitale Zahlungssysteme ermöglichen inhaltliche Kontrolle. In Australien wurden staatliche Sozialleistungen bereits so gestaltet, dass bestimmte Güter – etwa Alkohol – nicht mehr gekauft werden können [9]. Technisch ist das möglich, weil digitales Geld programmierbar ist. In Verbindung mit Verhaltensvorgaben oder Social-Scoring-Systemen entsteht das Risiko, dass wirtschaftliche Teilhabe an politisches Wohlverhalten geknüpft wird [10]. Wo freie Verfügung über Geld endet, beginnt Willkür.

Bargeld ist ein Garant gesellschaftlicher Teilhabe. Viele Menschen leben ohne Smartphone, Konto oder stabile digitale Infrastruktur. Für Kinder, ältere Menschen oder Wohnungslose sind Scheine und Münzen oft die einzige Möglichkeit, am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen [11]. Verbraucher- und Sozialverbände warnen deshalb vor einer Verdrängung des Bargelds und bezeichnen es als zentrales Instrument sozialer Inklusion [12]. Gerade für junge Menschen macht Bargeld außerdem Wert, Begrenzung und Ausgaben unmittelbar erfahrbar – etwas, das in digitalen Wallets leicht verloren geht.

Nicht zuletzt ist Bargeld ein Sicherheitsanker, Bargeld ist frei von technischen Bedürfnissen. Man hat es in seiner Hand und übergibt es direkt an einen Empfänger.

Digitale Zahlungssysteme sind abhängig von Strom, Netzen und IT-Sicherheit. Der wochenlange Ausfall von Kartenterminals in Deutschland 2022 zeigte, wie schnell digitales Bezahlen zum Stillstand kommen kann [13]. Beim Stromausfall in Berlin [14] Anfang Januar war nur noch Bargeldzahlung möglich. Länder wie Schweden, die besonders stark auf bargeldloses Bezahlen gesetzt haben, korrigieren ihren Kurs inzwischen und fordern Bürger ausdrücklich auf, Bargeld für Krisenzeiten vorzuhalten [15][16].

Fazit: Digitale Zahlungen sind bequem – aber die Bequemlichkeit erfordert eine funktionstüchtige technische Infrastruktur und einen willigen Dienstleister. Bargeld ist Eigentum, es ermöglicht Zahlungen ohne Mittler und ohne Überwachung, es garantiert Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben ohne technische oder institutionelle Hürden. Bargeld ist ein analoges Sicherheitsnetz in einer digitalen Welt.

Dem geplanten digitalen Euro wurde juristisch einseitig ein Annahmezwang zugedacht. Bargeld braucht auch diesen Annahmezwang zur Gleichstellung mit dem digitalen Euro! Das Zeitfenster für diese Nachbesserung endet im Mai dieses Jahres, wenn das EU-Parlament über Verbesserungen an der geplanten Verordnung abstimmt. Denn Wahlfreiheit existiert nur dort, wo Alternativen real nutzbar sind. Bargeld gleichzustellen und zu schützen, bedeutet Vorsorge für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Stabilität.

Ein Bericht der ArGe Finanzen der Partei dieBasis

Quellenliste

[1] Sozialverband VdK u. a.: „Bargeld muss bleiben!“
https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/gemeinsamer-appell-bargeld-muss-bleiben/

[2][3][4] Deutsche Bundesbank: Zahlungsverhalten in Deutschland 2021
https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/zahlungsverhalten-in-deutschland-2021-894082

[5] Deutsche Bundesbank: Bargeldstrategie des Eurosystems
https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/bargeld/bargeldstrategie-des-eurosystems/bargeldstrategie-des-eurosystems-und-rolle-des-bargelds-859122

[6] Clearly Payments: Statistics on How Much Merchants Pay for Payment Processing in 2024 – Und: PayPal-Gebühren
https://www.clearlypayments.com/blog/statistics-on-how-much-merchants-pay-for-payment-processing-in-2024
https://www.paypal.com/de/business/paypal-business-fees

[7] Deutsche Bundesbank: Bargeld und Datenschutz
https://www.dbresearch.de/PROD/RPS_DE-PROD/PROD0000000000496404.pdf

[8] Verbraucherzentrale Bundesverband: Digitaler Euro
https://www.vzbv.de/digitaler-euro

[9] Australiens digitale Sozialhilfe zeigt: Bargeldabschaffung hilft nicht gegen Alkoholismus, Spielsucht und Verbrechen
https://norberthaering.de/macht-kontrolle/australien-sozialhilfe-kriminalitaet/

[10] Was das Wort „Irankrieg“ in einer Banküberweisung auslösen kann
https://tkp.at/2026/03/04/was-das-wort-irankrieg-in-einer-bankueberweisung-ausloesen-kann/

[11] Verbraucherzentrale Bundesverband: Bargeld & finanzielle Inklusion
https://www.vzbv.de/pressemitteilungen/bargeld-muss-bleiben

[12] T-Online: Verbände fordern Gesetz zum Schutz der Barzahlung
https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/verbraucher/id_101105288/

[13] Handelsblatt: Verifone-Ausfall – Kartenzahlungen gestört
https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/verifone-ausfall-stoerung-bei-kartenzahlungen-nach-vier-wochen-weitgehend-behoben/28439038.html

[14] Süddeutsche Zeitung: Ein Stromausfall und die Folgen
https://www.sueddeutsche.de/panorama/brandanschlag-ein-stromausfall-und-die-folgen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260130-930-616964

[15] The Guardian: Why Sweden is returning to cash
https://www.theguardian.com/world/2024/oct/30/sweden-and-norway-rethink-cashless-society-plans-over-russia-security-fears

[16] Sveriges Riksbank: Cash & crisis preparedness
https://www.riksbank.se/en-gb/payments–cash/payments-in-sweden/payments-report-2025/the-riksbanks-work-and-recommendations/the-publics-ability-to-pay-in-times-of-crisis-and-states-of-heightened-alert-needs-to-be-strengthened-/introduce-a-cash-obligation-and-a-threshold-for-cash-payments/